Der Expressionismus ist eine Stilrichtung,
nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in der Architektur und der
Literatur. Der Expressionismus trat als künstlerische Bewegung im frühen
20. Jahrhundert (1898 -1918/20), besonders in Deutschland, aber auch in
anderen europäischen Ländern, vor allem in Frankreich, als Kunst
des seelischen Ausdrucks dem Impressionismus (Darstellung der äußeren
Erscheinung der Dinge) entgegen. Mit Bezügen zu den Vorläufern
des Expressionismus wie Vincent van Gogh oder Auguste Rodin entwickelte
sich eine vollkommen neue Welt der Kunst. Paul Klee sagte: Die Kunst
gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar. Es ging ihnen
um das Sichtbarmachen der Innerlichkeit, der Seele oder auch um das Innere
des Gegenstandes.
Der expressionistische Malstil zeichnet sich durch eine
von subjektiven Empfindungen dominierte starke Farbigkeit aus. Die Elemente
Farbe, Dynamik, Gefühl lassen sich in nahezu jedem expressionistischen
Kunstwerk finden. Den Malern dieser Epoche waren nicht die wirklichkeitsgetreue
Weitergabe von Eindrücken und schöne Formen wichtig. Dabei spielte
die Richtigkeit von Anatomie oder Perspektive keine Rolle mehr. Im Gegenteil,
stark verzerrte Perspektiven wurden zum Gestaltungsmittel.
Künstlervereinigungen wie Die Brücke (Dresden)
oder Der Blaue Reiter (München), der unter anderem die
bekannten Künstler August Macke, Paul Klee und Franz Marc angehörten,
führten diesen Malstil weiter bis hin zur Abstraktion. Die Themen des
Expressionismus waren besonders die Widersprüche des Lebens, auch Krieg
und soziales Elend. Der Expressionismus verstand sich als Protest gegen
die damals bestehende Ordnung und somit vielfach gegen das bürgerliche
Leben. Die Zeitschrift Der Sturm (herausgegeben von Herwarth
Walden) und andere neu gegründete künstlerisch-literarische Zeitschriften
dienten den Protagonisten als Diskussionsforum.
Bedeutende Künstlergruppen in Deutschland
waren neben der bekanntesten, "Die Brücke", die Künstlergruppe "Der Blaue
Reiter", der "Rheinische Expressionismus" , der "Westfälische Expressionismus"
und der "Norddeutsche Expressionismus".
Sehr bald nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Expressionismus
von neuen Stilrichtungen teils überlagert und teils abgelöst (z.B. Konstruktivismus,
Neue Sachlichkeit, Informel, später Die Neuen Wilden, Fotorealismus). Die
Stilelemente des Expressionisten wurden allerdings von vielen Künstlern,
die nach dem Ersten Weltkrieg neu begannen, aufgegriffen und weitergeführt,
bis sie diese künstlerische Arbeit in der Zeit des Nationalsozialismus unterbrechen
mussten, weil ihre Kunst als "entartet" gewertet wurde.
So mancher unter ihnen begann dann nach dem Zweiten Weltkrieg
erneut mit der künstlerischen Arbeit - unabhängig von dem Trend zur Abstraktion
- in expressiver Gegenständlichkeit. Viele dieser Künstler, die auch heute
Künstler der
'Verschollenen
Generation' genannt werden, wurden erst in den letzten drei
Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts bekannter.
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